10 Euro im Monat: Simsalasim plant Unlimited-Tarif in 100 Ländern
08.10.2026
Unbegrenztes Datenvolumen in 100 Ländern für monatlich 10 €: Mit diesem Angebot will Simsalasim in Deutschland starten. Hinter dem neuen Mobilfunkanbieter steht Xing-Gründer Lars Hinrichs, der bis 2025 im Aufsichtsrat der Telekom saß. Gebucht werden kann der Tarif noch nicht.
10 € für unbegrenztes Datenvolumen inklusive vieler Fernreiseziele wäre ein starkes, aktuell sogar konkurrenzloses Angebot. Wenn zum Start die Download-Geschwindigkeit und die Fair-Use-Policy passen, dürfen sich die anderen Anbieter am Markt warm anziehen.
Was Simsalasim für 10 € verspricht
Simsalasim kündigt einen monatlich kündbaren Tarif an, der zu Hause und auf Reisen funktioniert. Eine klassische SIM-Karte ist nicht vorgesehen, benötigt wird ein eSIM-fähiges Smartphone.
Merkmal
Bisher angekündigt
Grundgebühr
10 € monatlich
Datenvolumen
Unbegrenzt in 100 Ländern inkl. Deutschland
Telefonie und SMS
Unbegrenzt in 50 Ländern; genaue Länder- und Verbindungsregeln noch offen
Netz in Deutschland
o2/Telefónica
Laufzeit
Monatlich kündbar
SIM-Karte
Ausschließlich eSIM
Rufnummernmitnahme
Vorgesehen
Die Tarifangaben stammen aus der Unternehmensbeschreibung von Simsalasim. Telefónica hat die Netzpartnerschaft inzwischen ausdrücklich bestätigt. Die angekündigte Aktivierungszeit ist noch kein unabhängig getesteter Wert.
Für die Auslandsnutzung gibt es bereits erste Länderbeispiele. Gegenüber Golem nannte das Unternehmen unter anderem die USA, Schweiz, Thailand, Japan, Australien, China, Ägypten, Indien, Israel, Brasilien, Neuseeland und die Philippinen. Die Liste ist allerdings vorläufig. Eine vollständige, verbindliche Übersicht fehlt noch.
Simsalasim Unlimited: Was ist mit Drosselung und Hotspot?
Simsalasim hat Golem bestätigt, dass das unbegrenzte Datenvolumen ohne feste Drosselungsgrenze angeboten werden soll. Gleichzeitig sind Fair-Use-Regeln vorgesehen. Wie das genau aussehen wird ist noch nicht bekannt.
Auch beim Hotspot gibt es eine Klarstellung: Das Smartphone gelegentlich als Internetzugang für ein Notebook zu verwenden, soll erlaubt sein. Als dauerhaften DSL-Ersatz sieht das Unternehmen den Tarif hingegen nicht vor. Frühere Berichte über ein pauschales Hotspot-Verbot sind damit überholt.
Offen sind außerdem die maximale Surfgeschwindigkeit und die vollständigen Bedingungen für Telefonate, SMS und Auslandsnutzung. Erst diese Angaben zeigen, wie viel vom großen Unlimited-Versprechen im Alltag tatsächlich ankommt.
Wer steckt hinter Simsalasim?
Lars Hinrichs gründete 2003 das berufliche Netzwerk OpenBC, das später in Xing umbenannt wurde. 2006 folgte der Börsengang. Im Jahr 2009 verkaufte Hinrichs einen Anteil von 25,1 Prozent für 48 Millionen € an Burda.
Die Mobilfunkbranche kennt er auch von innen: Vom 1.10.2013 bis zum 9.4.2025 gehörte Hinrichs dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom an. Der Telekom-Geschäftsbericht führt zudem bereits für Dezember 2024 seine Mitgliedschaft im Board der amerikanischen Simsalasim Inc. auf. Die Arbeit an dem Unternehmen begann also vor seinem Ausscheiden bei der Telekom.
Diese zeitliche Überschneidung sorgt laut Handelsblatt für Kritik aus Telekom-Kreisen. Hinrichs sei bei Simsalasim zunächst als Investor beteiligt gewesen, berichtet die Zeitung. Ein belegter Missbrauch vertraulicher Informationen geht aus den zugänglichen Angaben nicht hervor.
Simsalasim ist in den USA und in Berlin angesiedelt. Im deutschen Impressum werden neben Hinrichs als CEO auch Kurosch Daniel Habibi für Finanzen und operatives Geschäft sowie Tillman Zschucke als Technikchef genannt. Eine auf den 1.4.2025 datierte US-Finanzierungsmeldung weist rund 5,55 Millionen US-Dollar von elf Investoren aus.
Wie soll der niedrige Preis funktionieren?
Simsalasim baut keine eigenen Funkmasten, sondern nutzt die Infrastruktur bestehender Netzbetreiber. In Deutschland ist das Telefónica. Als virtueller Netzbetreiber betreibt das Unternehmen wesentliche Teile seiner technischen Plattform selbst. Von der Bundesnetzagentur wurde ihm der Rufnummernblock 015333 zugeteilt.
Das selbst entwickelte Kernnetz läuft laut Simsalasim in der Cloud und übernimmt unter anderem Rufnummernverwaltung, Verbindungsaufbau und Abrechnung. Künstliche Intelligenz soll darüber hinaus den Betrieb mit einem kleinen Team ermöglichen. Nach Angaben von Hinrichs arbeiten rund zwei Dutzend Menschen für das Unternehmen; KI kommt etwa bei Softwareentwicklung, Abrechnung, Marketing und Kundenservice zum Einsatz. Die monatlichen Kosten für KI-Dienste beziffert er auf knapp 80.000 €.
Auch Kunden sollen KI-Funktionen erhalten. Simsalasim nennt die Erkennung betrügerischer SMS und Phishing sowie Kinderschutz ohne zusätzliche App. Berichtet wird außerdem über einen Assistenten, der Telefonate übersetzen, protokollieren oder weitere Teilnehmer hinzuholen soll. Welche Funktionen zum Start verfügbar sind, ist noch nicht vollständig bekannt.
Wann startet Simsalasim?
Auf der deutschen Website von Simsalasim gibt es derzeit eine Warteliste. Die Anmeldung erfolgt per E-Mail und ist laut Anbieter ohne Zahlungsverpflichtung. Einen öffentlich buchbaren Tarif gibt es Stand 8.10.2026 noch nicht.
Zunächst ist ein Testbetrieb mit ausgewählten Nutzern vorgesehen. Die Berichte nennen dafür unterschiedliche Zeitpunkte Anfang beziehungsweise Mitte Oktober. Der allgemeine Start soll einige Wochen später erfolgen; Simsalasim selbst nennt bislang vage den Herbst 2026. Anschließend sollen weitere europäische Märkte und die USA folgen.
Spezialist für Smartphones, Mobilfunk- und Festnetztarife sowie alles rund um IPTV und Streaming. Als Online-Redakteur behält er für die Leser von TARIFFUXX den Durchblick im Tarifdschungel und gibt profunde und praxisnahe Einschätzungen. Mindestens 2 seiner 3 Smartphones laufen mit Android.